Bach und Bengl am "dritten Weihnachtstag"

                          Der Sänger Volker Bengl setzt eine Tradition in der Martinikirche fort 

        

 

                 

                              Ein festliches Konzert gaben Volker Bengl (stehend) und Pianist Manfred Neumann
                 

Buer . Den dritten Weihnachtstag, für den Johann Sebastian Bach noch Kantaten komponierte, gibt es schon lange nicht mehr. Im Meller Stadtteil Buer hat sich für diesen Tag nach dem Weihnachtsfest seit Jahren eine Tradition herausgebildet: Das Festkonzert am Weihnachtsbaum.

In diesem Jahr stand der Sänger Volker Bengl vor dem großen Christbaum der Martinikirche und hatte sein Programm „Süßer die Glocken nie klingen“ im Gepäck. Welch passender Titel, wo doch die acht neuen Glocken des Gotteshauses in diesem Jahr erstmalig auch zum Weihnachtsfest erklangen – und so sang er dieses Weihnachtslied, das ursprünglich aus der Melodie des Volksliedes „Seht, wie die Sonne dort sinket“ hervorgegangen ist, als erstes von vielen Weihnachtsliedern, die auf dem Programm standen.

Immer seltener gibt es diese Art von Konzerten, in denen ein Sänger ganz ohne Technik ein ganzes Konzertprogramm singt, lediglich von einem Pianisten begleitet. In Buer saß mit Manfred Neumann ein Mann an den Tasten, der aus Minden stammt und dort als vielseitiger Musiker bekannt ist. Zugleich ist er für den Tenor Volker Bengl ein langjähriger, virtuoser und aufmerksamer Begleiter.

Eine gelungene Mischung aus sakralen Werken und Weihnachtsliedern wurde dem Publikum von diesem Duo beschert, die der Tenor selber mit seiner feinen, unaufgesetzten Art moderierte.

So kündigte Bengl die Wiegenlieder an: „Still und einfach seien sie, wie eine brennende Kerze, die uns leuchtet und Wärme bringt“. Im italienischen Weihnachtslied „Dormi, Dormi“ singt Maria den Heiland in den Schlaf. Bei Max Regers Wiegenlied „Maria sitzt am Rosenhag“ handelt es sich dagegen um ein Sommerlied bei dem durch die Blätter der warme Sommerwind weht.

Gitarre zur „Stubenmusi“

Während der Pianist mit einem Solo über „Transeamus usque Bethlehem“ glänzte, versuchte sich der im oberbayrischen Wielenbach lebende Volker Bengl an der Gitarre und begleitete sich selber zu einer „Stubenmusi“ beim Weihnachtslied „Es wird scho gleich dumpa“. Darüber staunten sogar die langjährigen Fans aus dem Freundeskreis des Tenors, die aus verschiedenen Himmelsrichtungen zu diesem Konzert nach Buer gereist waren.

Wenn es auch nicht jedem Konzertbesucher gelingt sein Mobiltelefon abzuschalten, so herrschte in der weihnachtlich geschmückten Martinikirche eine ganz besondere Atmosphäre und Ruhe. Still, weils Kindlein schlafen will, Maria durch ein Dornwald ging, Leise rieselt der Schnee wechselten mit bekannten Weihnachtsliedern, die auch im Gesangbuch stehen, ab.

 Mit welcher Schönheit der Tenor „Vom Himmel hoch“, „Kommet ihr Hirten“ oder „Es ist ein Ros entsprungen“ intonierte, darüber fachsimpelten die Konzertbesucher in der Pause.

"All is well"

Alles ist gut – „All is well“. Dieses neue christliche Weihnachtslied mit tröstlichem Text sang Volker Bengl, bevor er seinem Publikum die Lieder schenkte, die sein Lehrer und Förderer Rudolf Schock vor Jahren noch gesungen hatte. So erzählte er die zu Herzen gehende Geschichte, wie Rudolf Schock im Krieg an der Front im Schützengraben das Wolgalied „Es steht ein Soldat am Wolgastrand“ intonierte und von deutschen und russischen Soldaten dafür gleichermaßen Applaus bekam.

Zum Abschluss durfte das bekannte „Ach ich hab in meinem Herzen da drinnen“ nicht fehlen. Mit „Es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit“ beendete Volker Bengl sein drittes Konzert in Buer und versetzte die Zuhörer in einen Traum zur weißen Weihnacht, die es schon einige Jahre, selbst in seiner bayrischen Heimat nicht mehr gab: I´m dreaming of a white Christmas.

Bravo für solch eine Gesangskunst, für die ausgefeilte Gesangstechnik der alten Schule und einen sympathischen Sänger. So beschrieb es denn auch eine begeisterte Konzertbesucherin: Das ist für mich Weihnachten. Ich schließe die Augen und höre den Klang und die Stimme seines Lehrers Rudolf Schock.  

 

                                                 Quelle: Meller Kreisblatt vom 30.12.2019. Autor und Fotograf: Matthias Breitenkamp

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